05.09.2019 in Pressemitteilung

Kandidatur Migrationsbeiräte 2019

 

Für mehr gesellschaftliches Engagement und politische Teilhabe ausländischer Bürger und Bürgerinnen
Kandidaturen für die kommunalen Migrationsbeiräte noch bis 9. September möglich!


Am 27. Oktober 2019 werden in 60 rheinland-pfälzischen Kommunen die Mitglieder der Beiräte für Migration und Integration (BMI) neu gewählt. Als Beiratsmitglied kandidieren können alle Einwohnerinnen und Einwohner einer Kommune (die mindestens drei Monate gemeldet sind), mit oder ohne Migrationshintergrund, die zum Zeitpunkt der Wahlen das Lebensalter von 16 Jahren erreicht haben.

Aktiv wahlberechtigt sind alle ausländischen Einwohner und Einwohnerinnen sowie Staatenlose, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, Einwohner und Einwohnerinnen mit doppelter Staatsangehörigkeit, Eingebürgerte und die Kinder aller hier genannten Wahlberechtigten soweit sie am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind (spätester Geburtstag 27. Oktober 2003). Die Beiräte werden für 5 Jahre gewählt.

Die Unterstützung der Kommunen in ihrer Integrationspolitik ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Dabei tragen die Beiräte für Migration und Integration zum gesellschaftlichen Engagement sowie zur politischen Partizipation von zugewanderten Menschen bei und sind wichtige Mitgestalter der Integrationspolitik in den Kommunen. „Wir weisen darauf hin, dass die SPD seit Jahren auf das kommunale Wahlrecht für nicht EU-BürgerInnen unter bestimmten Voraussetzungen pocht, und dies jedoch aufgrund fehlender Mehrheiten im Bundestag nicht umgesetzt werden kann! Dies wäre eine echte politische Partizipation und ein wichtiger Schritt für mehr Willkommenskultur und Integration.“ so der Vorsitzende Ziya Yüksel.

Das Ziel der Beiräte, der kulturellen Ausgrenzung entgegen zu wirken, ist in diesen Tagen aktueller denn je. Diskriminierung und Rassismus greifen längst Strukturen und Institutionen unseres Rechtsstaates an. Gerade deshalb müssen die überparteilich organisierten Migrationsbeiräte mit aller Solidarität die Menschen mit Zuwanderungsbiographie sowie die Gesellschaft im Kampf gegen Hass und Spaltung unterstützen sowie an der Förderung von Integration und gleichberechtigter Teilhabe aktiv mitwirken. „Auch die besondere Möglichkeit, dass bereits 16-jährige Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sich beteiligen Seite 2 Sozialdemokratische Partei Deutschlands können, ist eine echte Chance, mehr Jugendliche für demokratische Themen zu gewinnen“, ergänzt der Stellvertretende Vorsitzende Detlev Buchholz.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt der SPD Rheinland-Pfalz unterstützt die Wahlen der Migrationsbeiräte nachdrücklich und ruft alle demokratischen Kräfte sowie alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich an den Wahlen zu beteiligen und die Arbeit der Beiräte mitzugestalten.

Die Wahlen werden in Gemeinden, in denen mind. 1.000 und in Kreisen, in denen mind. 5.000 ausländische Menschen seit 3 Monaten ihren 1. Wohnsitz haben, durchgeführt. Hierbei müssen mehr Kandidaturen zusammenkommen als das Gremium Mitglieder hat. Kreise und Gemeinden können auch ohne diese Voraussetzungen freiwillig dieses Gremium einrichten.

Die Wahl erfolgt in den Kreisen, Städten bzw. Verbandsgemeinden in der Regel per Briefwahl. Es ist meist bereits ab Anfang Oktober möglich, direkt im Wahlamt seine Stimme abzugeben. Weitere Informationen unter: http://beiratswahlen.agarp.de/auf-einen-blick/

Ziya Yüksel 

 

06.02.2019 in Pressemitteilung

Wenn nichts mehr heilig ist

 

 

LAG Migration und Vielfalt rügt kommunale Asylpolitik u.a. in den Landkreisen Rhein-Hunsrück, Mainz-Bingen, Südliche Weinstraße

 

Die LAG Migration und Vielfalt Rheinland-Pfalz stellt mit Fassungslosigkeit und Entsetzen fest, dass die in Rheinland-Pfalz geltende, auf Humanität ausgerichtete Asyl- und Flüchtlingspolitik systematisch auf kommunaler Ebene untergraben wird.

Der Wille der Landesregierung sowie die Weisungen des zuständigen Integrationsministeriums und des rheinland-pfälzischen Innenministeriums werden willentlich und vorsätzlich von CDU-Landrät*innen, darunter Dorothea Schäfer, Marlon  Bröhr und  Dietmar Seefeldt sowie durch deren Ausländerbehörden missachtet und in öffentlichkeitswirksamen Aktionen exemplarisch untergraben.

In der dahinterliegenden Absicht dieser kommunalen Asylpolitik erkennen wir den steten Versuch, das Integrationsministerium und dessen Ministerin zu diskreditieren. Legale Schutzräume werden aufgeweicht, um einen vermeintlich starken Staat vorzuspiegeln. Tatsächlich werden so engagierte Bürgerinnen und Bürger, Hilfsorganisationen und Kirchenvertreter*innen schuldlos diffamiert und kriminalisiert.

Hinter den Geschehnissen steht offenbar Methode: mit besonderer Härte dringen die Ausländerbehörden in Schutzräume ein und setzen alles daran, ihre Vorhaben einseitig durchzusetzen – ohne jedes Ansehen berechtigter Ansprüche. Lässt man sie gewähren, entledigt man sich so besonderer ‚Problemfälle’. Widersetzt man sich hingegen diesem Vorgehen und werden die Vorfälle öffentlich, berufen sich die Beteiligten auf ihre Verpflichtung zur Durchführung der aufenthaltsbeendenden Maßnahmen auf Anweisung der Bundesbehörden. Die Verantwortung zur Aufklärung wird dabei von den Ausländerbehörden auf Dritte übertragen, die Beweispflicht umgekehrt.

Im Falle der Abschiebungen aus dem Universitätsklinikum in Mainz und dem Pfalzklinikum wurde beispielsweise dem medizinischem Personal im Nachtdienst zugemutet, selbst klären zu müssen, ob es sich um eine legale Aktion handelt. Dies ist im Rahmen einer hochkomplexen Angelegenheit des Ausländer- und Aufenthaltsrechts diesen Menschen unter dem allseits bekannten personellen wie zeitlichen Druck kaum möglich.

Je nach Entscheidung dieser unbeteiligten Dritten, berufen sich die Behörden anschließend auf die Rechtmäßigkeit ihres Handels, da es keinen Widerspruch gab, oder unterstellen den Beteiligten unlautere, da von einem ‚falsch verstandenen humanitären und politischen Weltbild hergeleiteten’ Absichten, die Behörden in ihrer Arbeit zu behindern. Somit wird der Eindruck erweckt, das die handelnden Behörden zum Opfer einer fehlgeleiteten humanen Asylpolitik werden, der Rechtsstaat vor einem vermeintlichen Sonderrechtsprechung kapitulieren müsse.

In der politischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung der Vorfälle wird diese Methode fortgeführt: Landrätinnen und Landräte stellen sich demonstrativ und betont solidarisch hinter die in ihrem Auftrag und ihrer Verantwortung agierenden Ausländerbehörden, bedauern den humanen Aspekt, die Tragik des Einzelfalls, betonen die juristische Komplexität und berufen sich allesamt auf ihre Verpflichtung gegenüber der Bundesbehörde. Allesamt lassen sie dabei ihre Verpflichtung gegenüber den Landesbehörden außer Acht.

Man stilisiert sich in Pressekonferenzen und Pressemeldungen als unschuldige und bedauernswerte Opfer, dazu genötigt, die Handlungsfähigkeit des Rechtsstaates zu gewährleisten und von Hilfsorganisationen, einzelnen Bürger*innen und der Landesregierung und ihrer Integrationsministerin daran gehindert werden. Die erforderliche klare Beweisführung der Rechtmäßigkeit ihres Handelns bleiben sie dabei stets schuldig. Stattdessen wird die Kritik an ihrem Handeln untergraben, diffamiert und perfiderweise als Rechtsbruch hingestellt.

Insbesondere die neuerliche Eskalation um das gewährte Kirchenasyl im Rhein-Hunsrück-Kreis, in der Verantwortung des dortigen Landrates Bröhr (CDU), ist besorgniserregend und beschämend. Durch die Durchsuchung der Amts- und Wohnräume der Kirchenvertreter*innen und Beschlagnahmung persönlicher und in der Seelsorge vertraulicher und folglich besonders schützenswerter Dokumente, wird das Vertrauen massiv beschädigt. Es ist der traurige und wohl auch offensichtlich erfolgreiche Höhepunkt im langjährigen Versuch, Kirchenasyl in Rheinland-Pfalz zu kriminalisieren und auf niederträchtige Weise zu unterbinden.

Tausende Bürgerinnen und Bürger arbeiten seit Jahren ehrenamtlich, sorgen sich um ihre neuen Nachbarn in ihren Heimatgemeinden, setzen sich für die Grundwerte unserer Gesellschaft ein. Das Signal das hier zurückkommt ist: an diesen Grundwerten und dem betreffenden Engagement ist man nicht interessiert und man möchte sich damit nicht die ‚Finger schmutzig’ machen. Das ist rückgratloses Einknicken vor dem Rechtspopulismus ohne jede Zivilcourage. Als rheinland-pfälzische Bürger schämen wir uns dafür!

Schmerzlich erkennen wir, dass die Landrät*innen hier anstreben, in dem Grundrecht auf Asyl maximal ein Gnadenrecht zu erkennen, in dem nun auch auf kommunaler Ebene eine selbstgefällige Trennung zwischen erwünschten und unerwünschten Menschen erfolgt. Unerträglich schmerzlich müssen wir hinnehmen, dass diese Erkenntnis – gerade in diesen symbolträchtigen Tagen der Erinnerns – in uns reifen muss.

Wir fordern von den zuständigen Behörden und Verantwortlichen, ihr Handeln dahingehend zu überdenken, dass die Maxime unseres Grundgesetzes, die Unantastbarkeit der Menschenwürde, „zu achten und zu schützen Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ ist.

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